Quelle: Jahresbericht 2002 des Vereins Zürich - Nord gegen Fluglärm (ZgF)

Standpunkt Fluglärm
Von Ruedi Lais, SP - Kantonsrat und Präsident Dachverband FlugLÄRMschutz, Wallisellen

Zusammen mit zahlreichen anderen betroffenen Gemeinden bezahlt das mittlere Glattal einen hohen Preis für das Versagen der offiziellen Zürcher Flughafenpolitik.

Zu lange hat der Regierungsrat (eifrig unterstützt vom Zürcher Stadtrat) die Expansionspolitik der Schweizer Luftfahrt blind unterstützt. Zu lange wurden die Anliegen der Anwohnerschaft ignoriert, die rechtlich starke Stellung der deutschen Nachbargemeinden sträflich unterschätzt. Und die Raumplanung, welche das Ueberbauen von Fluglärmzonen in den letzten 30 Jahren hätte verhindern müssen, wurde bis heute im Interesse der Grundbesitzer und des Baugewerbes machtlos gehalten.

All das haben Flughafen - kritische Organisationen, SP und Grüne seit 25 Jahren erkannt und ver-sucht, die Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken - ohne Erfolg.

Heute sind Tausende von Arbeitsplätzen und Hunderte von Millionen Staatsvermögen verloren, grosse Teile dereinst grosszügig freien Landschaft um den Flughafen überbaut, das Verhältnis zum deutschen Nachbarn ruiniert, dasjenige zu den Nachbarkantonen mindestens strapaziert. Mit dem Luftfahrtsgesetz und der Flughafenprivatisierung hat das Zürcher Volk überdies seine Mitsprache-Rechte fast gänzlich verschenkt.

Die Flughafenpolitik des letzten halben Jahres stand im Zeichen des Wahlkampfes. Mit unglaublichen Winkelzügen (und beraten von internationalen PR - Profis) gelang es Ruedi Jeker zwar, seinen Regierungssessel zu behaupten. Sein plötzliches Nein zum Staatsvertrag hat nun aber für den Kanton Zürich die erwartet katastrophalen Folgen. Aus dem Regierungsrat ist ein Reagierungsrat geworden, der auf die Gnade der deutschen Regierung hoffen muss.

In der innerzürcherischen Fluglärmfrage ist die Regierung nicht weiter gekommen, sondern hat im Gegenteil alles getan, um die Regionen aufeinander loszuhetzen. Wir im Glattal haben einige Jahre Erfahrung mit stetig weiter verteiltem Fluglärm. Meine Wohngemeinde Wallisellen hat den 27. Oktober 1997 in schlechter Erinnerung, als mit der 4. Welle die Zahl der Südstarts nach Links von 20 auf 80 anstieg. Zürich - Nord war von dieser Änderung ebenfalls spürbar betroffen.

Südanflüge sind heute eine Notwendigkeit, wenn der Betrieb des Interkontinentalflughafens gesichert werden solI. Wer der Bevölkerung als allerletzten Ausweg die "geknickten Nordanflüge" verspricht, hat den Mut zur Wahrheit nicht. Technisch mag dieser unkonventionelle Anflug bei guten Sichtverhältnissen machbar sein. Betrieblich ist er zu wenig leistungsfähig und zu wetteranfällig. Und politisch wäre er eine dumm - dreiste Provokation für Baden - Württemberg und den Aargau.

Mit dem Nein zum Staatsvertrag hat die Regierung "erreicht", dass die Massnahmen verschärft, die Übergangszeit um drei Jahre verkürzt und die Existenz der Skyguide aufs Spiel gesetzt wurde. Deutschland ist nun auch nicht mehr verpflichtet, Warteräume auf seinem Territorium zu dulden. Und der Osten wie der Süden müssen befürchten, dass sie beide nur noch je 5 1/2 Stunden Nachtruhe haben werden. Für uns als Anwohnerorganisationen sollte es in dieser Situation nur eines geben: Zusammenarbeiten, um den Schaden zu verkleinern. Wenn wir das nicht schaffen, sind wir Egoistenklubs, die in der öffentlichen Meinung ausserhalb der eigenen Reihen wenig Sympathien finden.

Dabei verbinden uns doch die gemeinsamen Forderungen: Der Flughafen muss auf die für Zürich vernünftige Grösse von unter 250'000 Bewegungen beschränkt werden. Mit einem System abwechselnder Früh- und Spätstarts sollen alle Regionen eine minimale Nachtruhe von kurzfristig 7-, längerfristig 9 Stunden erhalten. Die ohnehin nicht finanzierbaren Ausbaupläne für das Pistensystem müssen fallen gelassen werden, und wir die Bevölkerung des Kantons, wollen wieder eine verbindliche Mitsprache bei einer unserer wichtigsten Infrastrukturen.

Als Walliseller und als Präsident des Dachverbandes der schon heute betroffenen Regionen ärgere ich mich, wenn die Presse fragt, ob nun Herrliberg "auch" zu einem Fluglärmghetto werde wie Wallisellen oder Bassersdorf. Unsere Gemeinden sind keine Ghettos, und wir sind bereit, die Lebensqualität auch gegen andere Verschlechterungen als den zunehmenden Fluglärm zu verteidigen!

Quelle: Jahresbericht 2002 des Vereins Zürich - Nord gegen Fluglärm (ZgF)

Dachverband FlugLÄRMschutz

  Telefon privat Mobile
Ruedi Lais, Präsident, Kantonsrat, Wallisellen   076 436 43 74
Felix Jaccaz, Vizepräsident, Weisslingen 052 384 16 27 079 798 91 51

Die Gründerorganisationen sind:

  • Fluglärmsolidarität, Bürgerinitiative für solidarische Fluglärmverteilung (FLS), Nürensdorf
  • Zürcher Unterland für gerechte Fluglärmverteilung (ZUF), Bülach
  • InteressenGemeinschaft zur Erhaltung der Lebensqualität (IGEL), Winkel, Rüti, Seeb
  • Ja zum Schutzverband, Eglisau
  • IKARUS ERBEN, Watt - Regensdorf
  • Schutzverband Flugimmissionen Thurgau (sf-tg), Lanzenneunforn
  • Vereinigung für erträglichen Fluglärm (VeFeF), Sektion Baden - Wettingen, Wettingen

Unsere Eckwerte lauten:

  • Die Anzahl Flugbewegungen wird auf maximal 250'000 pro Jahr begrenzt
  • Es ist ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 7 Uhr einzuhalten
  • Jeder Ausbau des Pistensystems wird abgelehnt
  • Fluglärm und Ruhezeiten sind solidarisch, breit und ausgewogen zu verteilen
  • Begrenzung der Schadstoffemissionen

Dachverband FlugLÄRMschutz DVFS, Postfach, 8058 Zürich-Flughafen
PC Konto 87-125333-9

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