Pressecommuniqué Dachverband FlugLÄRMschutz (DVFS) +++
8058 Zürich-Flughafen, 17. April 2003

Kein Ostanflug ohne Südanflug!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Namen der Bürgerbewegung Fluglärmsolidarität möchten wir Sie über die spontane Protestveranstaltung von gestern Abend auf dem Flughafen Zürich informieren.

Nach dem Entscheid des BAZL von gestern, die deutsche Verordnung mit einer superprovisorischen Verfügung, sprich Notrecht, alleine zu Lasten der Bevölkerung im Osten umzusetzen, haben die Ortsgruppen der Bürgerbewegung Fluglärmsolidarität eine spontane Kundgebung in kleinem Rahmen durchgeführt. Per E-Mail wurden die Aktivmitglieder der Ortsgruppen über die Aktion informiert. Auf einen grossräumigen Aufruf wurde wegen der Kurzfristigkeit verzichtet. Eine Grossdemonstration wurde bereits kürzlich mit 6000 Teilnehmer am Fackelzug rund um den Flughafen vom 22. März 2003 veranstaltet.

Am Gründonnerstag, 17. April 2003 um 20:45 Uhr haben sich gegen 300 Personen beim Besammlungsort, auf dem Militärparkplatz am Anfang der Piste 28, eingefunden. Die Teilnehmerzahl lag weit über den Erwartungen der Organisatoren, die angesichts der kurzen Frist und dem Beginn der Osterfeiertage mit ca. 50 Personen gerechnet haben. Mit Transparenten, den bekannten blauen Fahnen „gerechte Fluglärmverteilung“ und entzündeten Fackeln setzte sich der eindrückliche Protestzug, an dem auch viele Familien mit Kindern teilnahmen, in Richtung Flughafengebäude in Bewegung.

Im Terminal A wurden an verschiedenen Standorten über Megaphon Kurzreden gehalten, Sprechchöre „Südanflug“ und „Nachtruhe“ ausgerufen und Flugblätter (siehe Beilage) verteilt. Es wurde ein Picknick abgehalten, das von einer Ländlermusikgruppe musikalisch begleitet wurde.

Nach dem Rückmarsch, wieder mit entzündeten Fackeln, war die Kundgebung um ca. 23:00, ohne Zwischenfälle, zu Ende.


Die Hauptaussagen der verschiedenen Redner waren:

Grosse Empörung und Wut herrscht im Osten des Flughafens Zürich. Dem Zürcher Regierungsrat und dem BAZL ist einzig die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes wichtig. Die Interessen der Bevölkerung werden auf krasse Weise missachtet. Mit diesem Entscheid hat sich die Schweiz für den Übergang zur Zweiklassengesellschaft entschieden. Die Bevölkerung im Osten und Norden des Kantons und im Kanton Thurgau und Schaffhausen werden Bürger zweiter Klasse. Sie haben ohne minimale Wahrung ihrer Rechte und einer garantierten Nachtruhe von nur 5 Stunden, allen Fluglärm zu schlucken. Die Bürger im Süden und in der Stadt Zürich werden zu Privilegierten. Sie profitieren ebensoviel vom Flughafen, ohne dessen Nachteile, wie Lärm und Luftverschmutzung mittragen zu müssen.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) macht sich mit diesem Entscheid zum Erfüllungsgehilfen der Fluglobby. Seiner eigentlichen Aufgabe, Wahrung der Sicherheit im schweizerischen Luftverkehr und Wahrung einer unserem Staate würdigen Rechtssicherheit vernachlässigt es auf sträfliche Weise.

Die deutsche Verordnung ist das Resultat der Politik von Unique, Swiss und dem Zürcher Regierungsrat. Die Bevölkerung im Osten ist nicht bereit, die Folgen dieses unüberlegten Pokerspiels, den Verlust ihrer Lebensqualität und den Wertverlust an ihrem Wohneigentum, zu tragen.

Der Zürcher Regierungsrat hat, erst 10 Tage nach den Wahlen, die Bevölkerung bereits wieder vergessen und verkauft. Ausgerechnet der nur sehr knapp, und nur mit Stimmen aus dem Süden, wiedergewählte Ruedi Jecker vertritt die Bevölkerung in Bern.

Gefordert wurde die sofortige Einführung der Südanflüge. Oder, kein Ostanflug ohne Südanflug. Entweder werden die Lasten solidarisch verteilt, oder der Flugbetrieb muss eingeschränkt werden. Mit der Einführung von Südanflügen kann die Last verteilt und eine menschenwürdige Nachtruhe für alle Bewohner gewährleistet werden. Dies wäre technisch kurzfristig möglich, genauso wie es möglich war, im Osten über Nacht ein neues Anflugverfahren einzuführen. Von Unique und BAZL werden alle möglichen Ausreden vorgeschoben. Diese halten jedoch einer genaueren Prüfung nicht stand. Sie zeigen nur die gegenseitige Verfilzung der beiden Organisationen auf.

Gefordert wurde die Einführung einer absoluten Nachtruhe von 22:00 bis 7:00 Uhr. Unsere Kinder benötigen gemäss medizinischer Forschung 9 Stunden Schlaf. Unsere Wirtschaft ist auf ausgeruhte Arbeitskräfte angewiesen, um im harten Wettbewerb bestehen zu können. Wir wollen nicht auch noch unsere Arbeit verlieren und in den Ruin getrieben werden. Eine angemessene Nachtruhe ist die elementarste Voraussetzung für Lebensqualität, die uns unsere Regierung schuldig ist.

Gefordert wurde ein vernünftiger Flughafen mit maximal 250'000 Bewegungen pro Jahr. Die Planungen von Unique und Swiss sind immer noch eine Fortsetzung der verhängnisvollen Swissair Hunterstrategie mit einem europäischen Mega-Hub. Erfolgt nicht sofort eine Neuausrichtung, so wird das zum Ende der gesamten schweizerischen Luftfahrt führen. Wir lassen es nicht zu, dass unsere Wirtschaft von verantwortungslosen Managern ruiniert wird. Ein Grounding genügt. Es dürfen keine Steuergelder mehr fliessen.

Es scheint, dass wir am Beginn einer ähnlichen Entwicklung stehen wie derjenigen, die zum Stop des Atomkraftwerkes Kaiseraugst oder zur Gründung des Kantons Jura geführt haben.

Für weitere Auskünfte stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

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Felix Jaccaz Pressekoordinator der Aktion
Lendikon 6
8484 Weisslingen
052 384 16 27 079 798 91 51

Dachverband FlugLÄRMschutz DVFS, Postfach, 8058 Zürich-Flughafen
PC Konto 87-125333-9

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